Digitales Impfzertifikat: Auf Spahns vollmundige Ankündigungen wird vor allem Frust folgen

14.06.21
SozialesSoziales, Politik, News 

 

„Von der Corona-Warn-App hätte die Bundesregierung lernen können, dass es nicht nur auf die Bereitstellung einer App ankommt, sondern dass vor allem die Prozesse bei allen Beteiligten funktionieren müssen. Gesundheitsminister Jens Spahn hat offenbar nicht einmal die grundlegendsten Erfolgskriterien von IT-Projekten verstanden. Seine vollmundigen Ankündigungen, ab 14. Juni könne man das digitale Impfzertifikat in Deutschland erhalten, werden unweigerlich zu viel Frust und Enttäuschung führen: bei Ärzten, die mangels Software flächendeckend nicht in der Lage sind, das Zertifikat zu erstellen, und deren Telefone nicht mehr stillstehen, und bei Apotheken, die zu spät informiert wurden, keine Schulung für die Ausstellung erhielten und über ein Portal die Ausstellung der Zertifikate abwickeln sollen, das überlastet ist - vor allem aber bei Geimpften, die von Pontius zu Pilatus laufen, ohne eine Apotheke oder eine Arztpraxis zu finden, bei der sie das versprochene Zertifikat erhalten können. Nicht einmal das Portal funktioniert verlässlich, auf dem sie ausstellende Apotheken suchen können. Wie sollen so für 60 Millionen Impfungen Zertifikate nachträglich ausgestellt werden?“, erklärt Anke Domscheit-Berg, netzpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Einführung des digitalen Impfzertifikats. Domscheit-Berg weiter:

„Auch den von Spahn propagierten Mehrwert gibt es kaum. So wird es nicht weniger Probleme mit Fälschungen geben, denn der Papierausweis gilt ja weiterhin. Außerdem werden dessen Fälschungen schlecht erkannt, und so können ohne besondere Hürden gefälschte Impfaufkleber in ein digitales Impfzertifikat umgewandelt werden.

Die Komplexität des Vorhabens hat der Gesundheitsminister offenbar nicht verstanden. Er schürt immense Hoffnungen in der Bevölkerung, die weder von Apotheken noch von Arztpraxen erfüllt werden können. Die schlimmste Nebenwirkung sind dabei nicht die Millionen Euro, die die nachträgliche Ausstellung digitaler Impfzertifikate für zweifelhaften Nutzen kostet, sondern dass damit genau die Akteure im Gesundheitswesen mit Bürokratie belastet werden, die ihre Zeit zum Impfen benötigen, denn weder Papier- noch digitale Zertifikate können die Pandemie beenden. Das  lässt sich nur  mit Erreichung der Herdenimmunität, also durch Impfungen erreichen.“







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